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Normen

DIN 15018: Schweißnahtnachweis für Krane und die Ablösung durch EN 13001

Warum Sie eine zurückgezogene Norm bei Bestandskranen weiterhin brauchen — und was beim Übergang zur EN 13001 zu beachten ist.

Normstatus: zurückgezogen, aber nicht bedeutungslos

DIN 15018 war jahrzehntelang die maßgebliche Grundlage für die Bemessung von Krantragwerken im deutschsprachigen Raum. Für die Auslegung neuer Krane ist sie abgelöst: An ihre Stelle ist die europäische Normenreihe EN 13001 getreten, für Stahltragwerke einschließlich der Schweißnähte insbesondere EN 13001-3-1.

Die praktische Relevanz bleibt trotzdem. Ein erheblicher Teil der in Betrieb befindlichen Krane wurde nach DIN 15018 ausgelegt, und die typischen Fragestellungen an solchen Anlagen — Nachrechnung nach einem Umbau, Beurteilung der Restlebensdauer, Bewertung einer geänderten Nutzung — setzen an der ursprünglichen Bemessungsgrundlage an. Wer die Klassifizierung des Bestandskrans verstehen will, kommt an der alten Norm nicht vorbei.

Aufbau der Normenreihe

  • Teil 1 — Grundsätze für Berechnung und bauliche Durchbildung der Stahltragwerke, einschließlich der Nachweise für Schweißverbindungen.
  • Teil 2 — Ergänzende Regelungen zur baulichen Durchbildung und Ausführung.
  • Teil 3 — Regelungen für Fahrzeugkrane.

Die Klassifizierung: der Kern des Verfahrens

Der Betriebsfestigkeitsnachweis nach DIN 15018 beruht auf einer Einstufung des Krans, die aus zwei Größen entsteht:

  • Spannungsspielbereich — wie viele Lastwechsel über die geplante Nutzungsdauer zu erwarten sind.
  • Beanspruchungskollektiv — wie sich die Lasten über die Nutzungsdauer verteilen, also ob überwiegend nahe der Höchstlast gefahren wird oder überwiegend darunter.

Aus der Kombination folgt die Beanspruchungsgruppe. Zusammen mit dem Kerbfall des betrachteten Details — einer Einstufung nach Kerbwirkung von der ungestörten Oberfläche bis zu ausgeprägt gekerbten Anschlüssen — ergibt sich die zulässige Spannung, gegen die nachgewiesen wird.

Der Denkansatz entspricht dem des Eurocodes: Man ordnet ein Konstruktionsdetail einer Klasse zu und liest daraus die ertragbare Beanspruchung ab. Die Klassen selbst sind aber anders geschnitten und tragen andere Bezugsgrößen.

Was sich beim Übergang zur EN 13001 ändert

Der wesentliche Unterschied liegt nicht in einzelnen Zahlenwerten, sondern im Sicherheitskonzept:

AspektDIN 15018EN 13001
Sicherheitskonzeptzulässige SpannungenGrenzzustände mit Teilsicherheitsbeiwerten
EinstufungBeanspruchungsgruppe aus Spannungsspielbereich und KollektivKlassifizierung nach Beanspruchungsklassen der Reihe
DetailkatalogKerbfälle K0 bis K4Kerbfälle mit eigenen Bezugswerten
Anwendung heuteBestandskrane, Nachrechnung, UmbauNeubemessung

Daraus folgt die praktisch wichtigste Konsequenz: Ein Nachweis nach DIN 15018 lässt sich nicht durch Umrechnung in einen Nachweis nach EN 13001 überführen. Weil die Sicherheiten an anderer Stelle im Verfahren sitzen — bei der einen Norm zusammengefasst in der zulässigen Spannung, bei der anderen aufgeteilt auf Einwirkungs- und Widerstandsseite — ist eine Neubewertung eine eigenständige Rechnung mit eigener Klassifizierung.

Für die Praxis heißt das: Bei einem Bestandskran, der nachgerechnet werden soll, ist zuerst zu klären, auf welcher Grundlage bewertet wird. Beide Wege sind vertretbar und beide sind zu begründen — was nicht geht, ist eine Mischung aus Kennwerten der einen und Sicherheiten der anderen Norm.

Und der Eurocode?

Für den Schweißnahtnachweis am Stahltragwerk greifen die Kranormen auf dieselben Grundmechanismen zurück, die auch EN 1993-1-8 und EN 1993-1-9 verwenden: Spannungszerlegung an der Naht, Kerbfallzuordnung, Wöhlerlinie. Wer den Eurocode-Nachweis beherrscht, findet sich in der Systematik der Kranormen schnell zurecht — die Zahlenwerte und die Klassifizierung sind jedoch nicht übertragbar.

Häufige Fragen

Gilt DIN 15018 noch?
Für die Bemessung neuer Krane nicht mehr — dort ist die Normenreihe EN 13001 maßgeblich, für Schweißnähte an Stahltragwerken insbesondere EN 13001-3-1. DIN 15018 wurde zurückgezogen. Praktisch relevant bleibt sie trotzdem: Bestandskrane wurden danach ausgelegt, und wenn ein solcher Kran nachgerechnet, umgebaut oder in seiner Restlebensdauer beurteilt werden soll, ist die ursprüngliche Bemessungsgrundlage der Ausgangspunkt.
Was ist eine Beanspruchungsgruppe?
Eine Einstufung, die zwei Dinge zusammenfasst: wie oft der Kran belastet wird — der Spannungsspielbereich — und wie schwer im Verhältnis zur Höchstlast, also das Beanspruchungskollektiv. Aus der Kombination folgt die Beanspruchungsgruppe, und aus ihr zusammen mit dem Kerbfall die zulässige Spannung im Betriebsfestigkeitsnachweis.
Was sind die Kerbfälle K0 bis K4?
Eine Einteilung der Konstruktionsdetails nach ihrer Kerbwirkung, von der ungestörten Bauteiloberfläche bis zu Details mit ausgeprägter Kerbwirkung. Sie erfüllen dieselbe Aufgabe wie die Detailkategorien im Eurocode, sind aber anders geschnitten und nicht eins zu eins übertragbar.
Kann ich einen Nachweis nach DIN 15018 einfach in EN 13001 umrechnen?
Nicht durch Umrechnung einzelner Zahlen. Die Normen unterscheiden sich im Sicherheitskonzept: DIN 15018 arbeitet mit zulässigen Spannungen, EN 13001 mit Grenzzuständen und Teilsicherheitsbeiwerten auf Einwirkungs- und Widerstandsseite. Eine Neubewertung nach EN 13001 ist deshalb eine eigene Rechnung mit eigener Klassifizierung, keine Faktorumrechnung.

Hinweis zum Funktionsumfang von NahtNorm

NahtNorm rechnet heute den Schweißnahtnachweis nach EN 1993-1-8 und den Ermüdungsnachweis nach EN 1993-1-9. DIN 15018 und EN 13001 werden derzeit nicht gerechnet — beide stehen auf der Roadmap. Den vollständigen Stand führen wir unter Entwicklungsstand. Wenn Sie den Krannachweis brauchen, sagen Sie uns das bei der Anmeldung — die Reihenfolge auf der Roadmap richtet sich danach.

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