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Spannungskonzepte für Schweissnaehte im Vergleich
Nennspannung, Strukturspannung (Hot-Spot) und Kerbspannung: Welches Konzept eignet sich für Ihre Schweissnahtberechnung?
Die drei Spannungskonzepte im Überblick
Bei der Schweissnahtberechnung stehen drei grundlegende Spannungskonzepte zur Verfügung: das Nennspannungskonzept, das Strukturspannungskonzept (auch Hot-Spot-Konzept) und das Kerbspannungskonzept. Jedes Konzept hat spezifische Stärken, Grenzen und Anwendungsbereiche. Die Wahl beeinflusst die FEA-Modellierung, die Ergebnisinterpretation und die Genauigkeit des Nachweises.
Nennspannungskonzept: Einfach und bewaehrt
Das Nennspannungskonzept ist das aelteste und einfachste Verfahren. Die Spannungen werden aus den aeusseren Lasten und den Querschnittswerten berechnet, ohne lokale Spannungserhöhungen zu beruecksichtigen. Stattdessen werden die Kerbwirkungen ueber Kerbfallklassen (EC3) oder Konstruktionsfaktoren (FKM) pauschal erfasst.
Vorteile: Einfache Anwendung, robuste Ergebnisse, grosse Erfahrungsbasis. Nachteile: Nur fuer katalogisierte Konstruktionsdetails anwendbar, konservativ bei komplexen Geometrien.
Strukturspannungskonzept: Hot-Spot, CAB und Innenlinearisierung
Das Strukturspannungskonzept beruecksichtigt makrogeometrische Spannungserhöhungen, aber nicht die lokale Kerbwirkung der Schweissnaht selbst. Die Hot-Spot-Spannung wird durch Extrapolation von FEA-Ergebnissen auf den Schweissnahtfuss ermittelt. Typische Methoden sind die lineare oder quadratische Oberflaechenextrapolation und die Innenlinearisierung (Through-Thickness).
Vorteile: Anwendbar auch auf nicht-katalogisierte Details, weniger konservativ als Nennspannung. Nachteile: Ergebnis abhängig von Vernetzung und Extrapolationsmethode, Erfahrung erforderlich.
Kerbspannungskonzept: Realitaetsgetreu, aber aufwaendig
Das Kerbspannungskonzept modelliert die tatsaechliche Kerbgeometrie der Schweissnaht (typisch: Referenzradius r_ref = 1 mm nach DVS oder 0,05 mm für duenne Bleche). Die maximale Spannung im Kerbgrund wird direkt für den Nachweis verwendet. Dieses Konzept liefert die genauesten Ergebnisse, erfordert aber sehr feine Vernetzung und hohen Rechenaufwand.
Vorteile: Höchtste Genauigkeit, universell anwendbar. Nachteile: Hoher Modellierungsaufwand, feine Vernetzung notwendig, Rechenzeit.
Vergleich: Welches Konzept für welche Aufgabe?
Für Standarddetails im Stahlbau (EC3): Nennspannungskonzept. Fuer komplexe Geometrien oder nicht-katalogisierte Details: Strukturspannungskonzept. Für Optimierung oder kritische Bauteile: Kerbspannungskonzept. Im Maschinenbau (FKM) können alle drei Konzepte angewandt werden — die FKM-Richtlinie definiert fuer jedes Konzept eigene Nachweisregeln.
Einfluss auf die FEA-Modellierung und Vernetzung
Beim Nennspannungskonzept genügt eine grobe Vernetzung. Beim Strukturspannungskonzept muss die Vernetzung im Bereich des Hot-Spots definierte Anforderungen erfüllen (Elementgröße ≤ 0,4 * t). Beim Kerbspannungskonzept ist eine lokale Verfeinerung mit Elementen kleiner als r_ref/4 erforderlich.
Haeufige Fehler bei der Konzeptwahl
Typische Fehler: Spannungen aus einem FEA-Modell ablesen, das fuer ein anderes Konzept vernetzt wurde. Kerbspannungen aus einem Nennspannungsmodell ableiten oder umgekehrt. FAT-Klassen (Kerbfallklassen) für das falsche Konzept verwenden — die Klassen sind konzeptspezifisch und nicht austauschbar.
Wie WeldCheck das richtige Konzept automatisch erkennt
WeldCheck unterstützt alle drei Spannungskonzepte und schlaegt basierend auf Ihrer Geometrie, der gewählten Norm und der vorhandenen Vernetzung die optimale Methode vor. Der Cloud-Solver passt die Vernetzung automatisch an das gewählte Konzept an.
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